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Ein Juwel der Chor-Literatur

Musikalisches Konzertprojekt mit zwei Chören, Orchester und Solisten sorgt in der Bietigheimer Pauluskirche für Begeisterung.

Von Dietmar Bastian

 

Unser Herz freut sich, und unsere Seele fliegt in den Himmel“, begrüßte Pfarrerin Christa Epple-Franke die etwa 150 Mitwirkenden des Kooperationsprojektes sowie mehrere hundert Zuhörer in der fast vollbesetzten Bietigheimer Pauluskirche am Sonntag und stimmte sie so auf das Konzert „Wenn der Töne Zauber walten“ ein.

 

Der Vorsitzende des Sängerkranzes Bietigheim, Karl-Heinz Menrath, hat die Kooperation zwischen dem Bietigheimer Chor und dem Madrigalchor Vollmer Brackenheim eingefädelt und deren Dirigenten Tobias Merkle und Carl Burger zusammengebracht. Dies war der Beginn einer erfolgreichen und vom Schwäbischen Chorverband geförderten Kooperation.

 

Von Beginn an sind sich die beiden Chorleiter auf Augenhöhe begegnet, was sich daran ablesen lässt, dass die Brackenheimer  Aufführung am Vorabend von Carl Burger geleitet wurde, während in der Pauluskirche Tobias Merkle am Pult stand. Zu der 100 Sänger starken Chorgemeinschaft hatten die Dirigenten das knapp vierzigköpfige Kammerorchester Camerata Juvenalis, den Pianisten Thomas Habermaier und die vier Gesangssolisten Susanne Vogelmann (Sopran), Franziska Pflüger (Alt), Roger Gehrig (Tenor), und Marc Hagmaier (Bass) verpflichtet.

 

Anspruchsvoll und eingängig

 

Zu Beginn des anspruchsvollen, musikalisch eingängigen_ Programms erklang die Cäcilienmesse des Franzosen Charles Gounod, sein wohl bekanntestes kirchenmusikalisches Werk, das er im Alter von 37 Jahren komponierte und über das sein Kollege Camille Saint-Saens sagte: „Man fühlt, dass hier ein Genie tätig gewesen war, glänzende Strahlen gehen von dieser Messe aus, zunächst ist man geblendet, dann berauscht und schließlich überwältigt.“

 

Bei der Aufführung dieses Werkes gefielen vor allem die kraftvollen Klangblöcke, beim Resurrexit-Jubel etwa, oder im Credo in unum Deum. Dazwischen einschmeichelnde Klangbilder mit Harfe, Holzbläsern und dem Gesangsterzett von Sopran, Tenor und Bass im Adoramus, Gratias oder Et incarnatus. Musikalisch überraschend das Chor-Miserere, das durch die günstige Raumakustik besonders

schön zur Geltung kam. Kleinere Intonationsprobleme, im Chor und bei den Bläsern etwa, fielen vor dem Hintergrund der beeindruckenden Gesamtleistung nicht weiter ins Gewicht. Was deutlich mehr zählte, war die spürbare Begeisterung und Leidenschaft aller Mitwirkenden. Es ist für Laienchöre immens wichtig, dass sie sich auch großen musikalischen Herausforderungen stellen, an denen sie wachsen und stimmliche Fortschritte erzielen können. Man kann sich lebhaft vorstellen, mit welchem Fleiß an dieser Messe geprobt und daran gefeilt werden musste, bis sie schließlich aufführungsreif war.

 

Ausgereifte Technik am Flügel

 

Nach der Pause hatte der im Raum Vaihingen lebende Pianist und Klavierpädagoge Thomas Habermaier am Steinway-Flügel Platz genommen und spielte, von der Camerata Juvenalis angenehm zurückhaltend, rhythmisch sauber und mit warmem Streicherklang begleitet, Teile des hochvirtuosen 2. Klavierkonzerts in g-Moll opus 22 des Franzosen Camille Saint-Saens. Habermaier bewältigte mit seiner ausgereiften Technik den überaus anspruchsvollen Solopart tadellos und stilsicher.

 

Tobias Merkle hatte das Geschehen gut im Griff, leitete mit einem klaren Dirigat und konnte die notwendigen musikalischen Impulse setzen. Nach der Schluss-Stretta gab es reichlichen Applaus. Ein (leider viel zu selten aufgeführtes) Juwel der Literatur für Chor, Solisten und Orchester ist Beethovens großartige Chorfantasie in c-Moll opus 80. Hier waren alle Mitwirkenden hochkonzentriert dabei. Nach der konzertanten Klaviereinleitung und kammermusikalischen Zwiegesprächen von Oboe und Englischhorn und von Klarinette und Fagott setzten das professionell agierende Solistenquartett und danach der Chor ein und führten das Werk in einer mächtigen Steigerung zum apotheotischen Schlussjubel: Nehmt denn hin, ihr schönen Seelen, froh die Gaben schöner Kunst.